Schluss mit Aprilscherzen: WTCC botet DTM in China aus

OK, genug von einer Zweisitzer-Formel 1-WM oder dass GM die Marke Corvette nach Südkorea verkauft wurde. Jetzt mal ernsthaft: Der mit viel Trararah im Vorjahr als Einzug in den asiatischen Markt von DTM-Rechteinhaber ITR angekündigte und – zum Leidwesen von Bruno Spengler und mehrerer Schrauber – auch durchgeführte Chaos-Lauf in den Straßen von Shanghai, wird es 2011 schon nicht mehr geben.


Warum? Das ist den meisten wohl ohnehin egal, denn „live“ haben sich das wohl ohnehin die wenigsten im TV angeschaut und vor Ort waren eh nur jene, die das Ticket – direkt oder indirekt – von einem der beiden Hersteller bezahlt bekamen. Niemand wird diesem Rennen, das von a-z eine Schnapsidee war, eine Träne nachweinen.

Bemerkenswert ist allerdings die Begründung, die DTM-Rechteinhaber ITR für die Absage verbreiten lässt. So heißt es in der an die Presse ausgesandte Mitteilung:

„Nachdem das ursprünglich geplante Rennen am 6. November aufgrund einer Terminkollision mit der Tourenwagen-WM in China nicht durch die Motorsportbehörden genehmigt wurde, konnte gemeinsam mit der BCG kein adäquater Alternativtermin gefunden werden.“

Aha! Damit dürfte dann die Wertigkeit der DTM im Ranking des internationalen Motorsports wohl auch einwandfrei geklärt sein. Oder wie ist das zu erklären, dass die WTCC – wie die Formel 1 unter der Schirmherrschaft des Weltverbands FIA – bei den Chinesen mit Herstellern wie Chevrolet, SEAT und BMW am Start den Vorzug über die doch ach so als Premium zu verstehenden Noblesse-Marken der beiden DTM-Duellanten bekommt? Vielleicht damit, dass die Chinesen „Premium“ nicht aussprechen können?

Seien wir doch mal für einen kurzen Moment ehrlich: Die Gründe für die Absage liegen doch wohl wo ganz anders zu suchen. Entweder wollte man bewusst – etwa was die TV-Sendezeiten betrifft – mit der WTCC auf Konfrontation gehen und bekam dabei die rote Karte durch die chinesische Föderation gezeigt, oder man hat es schlicht verschlafen, den Termin zeitig anzumelden. Oder es droht ein so massiver finanzieller Verlust, dass man eben Abstand nimmt. Wie würde Stefan Raab sage: Man weiss es nicht…

Im Laufe des Jahres 2010 wurde immer wieder große Expansionspläne in die Welt hinausposaunt. Doch der Wind weht auf dem internationalen Parkett deutlich rauer, als hierzulande. Außer der Formel 1 haben die GT1-WM (4.9.) WTCC (6.11.) und der Intercontinental Le Mans Cup (11.11.) ihre Termine in der Volksrepublik allesamt bekommen. Nur die Formel Supeerliga und eben die DTM nicht. Und selbst wenn der chinesische Verband den anschließend stattfindenden Grand Prix von Macau – obwohl nicht auf dem chinesischen Festland ausgetragen – als Konflikt sehen würde, gäbe es noch immer reichlich Termine vor und auch nach dem angedachten 6. November.

Die Argumentation der ITR scheint – einmal mehr – ziemlich löchrig. Zumal ohnehin Lücken von drei Wochen zwischen den Rennen im Sommer herrschen. Wenn der chinesische Markt doch so immens wichtig für die involvierten Hersteller ist, wie man das letztes Jahr noch der Öffentlichkeit verkaufte, dann hätte man ja zur Not den Show-Event im Olympia-Stadion anders terminieren können. Gleiches gilt für notorisch schwach besuchte Rennen wie Valencia, Adria, Lausitzring oder Oschersleben.

Wie so oft, wenn die ITR einen Verlautbarung aussendet, fühlt sich der Adressat für dumm verkauft.Vielleicht wäre es für die verwanortlichen besser, einfach mal die Hasuaufgaben – im wortwörtlichen Sinne – zu erledigen und sich darauf zu besinnen, was das „D“ in DTM – und auch in DMSB – eigentlich bedeutet.

Ihr Mario-Alberto Bauér

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Kategorien: DTM